Überwillkommen

Sorry, ich bin manchmal etwas abweisend, das kann sein, tut mir leid. Ich will das gar nicht, aber ich kann das nicht kontrollieren. In mir wird dann alles so steif und fest und starr und ich schaue so böse in die Welt. Es ist nicht so gemeint. Nicht so sehr.

Wenn ich spüre, dass eine Frau etwas von mir will, so körperlich, wenn es in diese Richtung geht und es läuft mir zu schnell oder zu falsch, denn sie ist nicht so, wie ich das mag, kommt sie mir so entgegen und ich bin „überwillkommen“, dann werde ich an etwas erinnert. Und das ist dann doof.

Das war damals manchmal so. Sie kam immer auf eine ganz bestimmte Weise. Es war ihre Art sich zu nähern und Liebe zu nehmen. Ich weiß nicht genau, vielleicht konnte meine Mutter nicht anders. Es war so eine Nähe genau dann, wenn nur sie es wollte. Und mir kommt es so vor, sie habe nur genommen.

Da, damals steckte ich in der Bredouille, denn sie war ja meine Mama. Du bist als Kind in diesen Sachen nicht so richtig neutral, nicht so richtig unabhängig und frei. In der Rückschau betrachtet war es ein wenig wie seelische Korruption, ein Aussaugen und forciertes Fordern von Nähe, die ohne Berührung stattfand. Fast ohne. Ich weiß nicht mehr, da verliert sich meine Erinnerung ist wie gelöscht. Das habe ich wohl vergessen. Ach, nein … doch …es war harmlos.

Auf jeden Fall hat das gewirkt damals und ich habe mich steif gemacht und ganz fest war der kleine Peter – damals hieß ich noch so – und, … wie soll ich das sagen? Ein bisschen korrumpieren lässt du dich als Kind ganz gerne, wenn du knapp an Zuneigung gehalten wirst. Halt, das stimmt nicht! Knapp an der Zuneigung, die du brauchst, gehalten wirst. So ist es richtig. Als Kind nimmst du alles.

Bis ich elf war, habe ich im Bett meiner Mutter geschlafen, Vater war nur am Wochenende da. Bis zum sechsten November zweiundachtzig. Das Datum weiß ich, Zufall.

Das hat bis heute, vierzig Jahre später noch Effekte.

Unter anderem eben den, dass ich so abweisend bin, wenn eine Frau überwillkommen etwas von mir will und ich nicht. Sorry, das ist bei mir so drin. Ich glaube, genau deshalb stehe ich so gerne feindlich, stehe „Wehe!“. Löschen kann ich es nicht. Es ist so eine Art Angst, so eine seelische Verengung. Es fühlt sich an genau wie damals, dabei ist es diesmal Irrtum und wäre freundlich zu überstehen.

Spannenderweise gilt das auch, wenn ich von einer Frau etwas will. Wenn sie will und ich will – also wir beide körperlich -, wenn sich das abzeichnet, hey, das bemerkt man ja – ja, wenn das so ist, so ein Flirt plus Option, dann ist das auch. Auch dann wird in mir alles fest und hart und „nein“. Ich kann nichts dagegen tun, denn es könnte ja das gleiche wie damals passieren, wenn die Frau mir näherkommt. Es schwingt immer mit. Und das will ich natürlich nicht und deshalb will ich dann nicht, auch wenn wir beide wollen und eigentlich auch ich.

Es bleibt beim „Nein“ meinerseits, sicher ist sicher. Ich kann sehr böse gucken, wenn mir eine Frau sympathisch ist.

Hinderlich bei der Werbung das ist, sprach Meister Yoda. Ich habe da so ein paar Tricks, aber schön ist das nicht.

Und noch schlimmer ist, will ich etwas von einer und weiß nicht, ob sie will. Diese typische Unsicherheit, dieser Graben, über den man springen muss beim „Erobern“ einer Dame. Lassen Damen gerne, wollen ihren Wert und des Mannes Stärke messen. Über diesen Graben springe ich nicht, vermute ich doch, dass hinter dem Graben Ablehnung steckt. Sein kann, könnte, vielleicht. … Ich meine, ich will ja nicht und auf keinen Fall und niemals und neverever, so wie meine Mutter damals sein. Auf keinen Fall will ich etwas von einer, was sie nicht will. Nichts, wirklich nichts in meinem Leben fürchte ich so wie das! Ich schlage mich schon nur im Gedanken für einen Wunsch, den ich nicht haben DARF! Ich schlage auf mich ein, es tut mir innerlich weh! Nein, ich will ihren Fehler nicht wiederholen und das ist keine Frage der Ehre, das ist, das ist … einfach nein!

Also will ich nicht, wenn ich mir nicht ganz sicher bei der Dame bin.

Ich muss schon sehr klare Signale bekommen, dass ich willkommen bin. So ein „Überwillkommen“ muss es sein und das ist dann aber wie oben beschrieben zu viel. Ist die Frau überwillkommen, kann ich ja nicht und das will ich dann nicht.

So viel nicht-können und nicht-wollen kann ich.

Das macht es nicht leicht. Egal was ich tue, es wird immer bestimmt von dem Früher.

Ich wäre einmal so gerne ein klein wenig frei.

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